
Montag in Kapstadt, ich bin auf der Suche nach einer neuen Glühbirne für meine Leselampe (eine Tätigkeit, wie gemacht für einen Montag: Man bringt sie mit ebensolchem Naserümpfen hinter sich wie besagten Wochentag). Bequem wäre, 20 Minuten raus aus der Stadt Richtung Industriegebiet und Builders Market (die hiesige Version von Bauhaus) zu steuern. Preiswerter ist, die fliegenden Händler am Hauptbahnhof aufzusuchen.
Bei den fliegenden Händlern an Kapstadts Nahverkehrsdrehscheibe kann man von Hotdogs in Thaistyle über Ledersohlen und Lavendelseife bis hin zu Sicherheitsnadeln in Nationalfarben und WM-Helmen mit Hupe alles kaufen, selbst montags. Was einzig zählt, ist das Wo und Wieviel. Wo finde ich den Glühbirnenverkäufer meines Vertrauens und wieviel Rand muss ich bei ihm für meine 40 Watt-kompatible Lesehilfe, wenn’s geht im Stromsparmodus, abdrücken?
Während ich noch im größten Gedrängel von Main Road zwischen Currydämpfen und fülligen Frauen mit auf den Rücken gebundenen Babys über diese lebenswichtige Montagsfrage meditiere, schiebt sich ein Gesicht zwischen mich und die Lösung des Birnenproblems. ,,Haben Sie ein Problem?” (Woher weiß der Vogel das???) Bevor ich den interessierten Menschenfreund mit dem zugegebenermaßen nicht eben menschenfreundlichen Körpergeruch darüber aufklären kann, dass ihn meine Montagsdepressionen gar nichts angehen, redet der schon weiter: ,,Was es auch immer ist, ich habe die Lösung für alle Ihre Probleme!” Wenn der wüsste: Ich will keine Männer, die mich auf den ersten Blick durchschauen. Und ich will keine Männer mit Lösungen. Vor allem will ich keine Männer mit Körpergerüchen. Das einzige, was ich in diesem Moment will, ist, dem Bruder ein mildes Lächeln schenken und abwinken. Aber da ist der bereits verschwunden. Was einzig bleibt: Ein Blättchen Papier, das mir Mister Wunderheiler in die Hand gedrückt hat.
Naja, was soll ich sagen? Birne went well, was soviel heißt, wie: In Sachen Leselampe habe ich dann doch noch bekommen, was ich wollte, von einem hilfsbereiten Händler mit kulanten Preisvorstellungen. Und auch der Montag war irgendwann am Ende mit seinen Schikanen. Als ich in meinem hellerleuchteten Schlafzimmer endlich in meinen Kissen lag, fiel mir besagter Zettel wieder ein. Ich fasste mir ein Herz, stand nochmal auf und kramte ihn aus meiner Hosentasche. ,,Leiden Sie unter Hautkrankheiten, Asthma, hohem Blutdruck, Alkoholabhängigkeit, einer Pechsträne, Unfruchtbarkeit, Übergewicht, Mundgeruch, einer unglücklichen Ehe oder sexuellen Problemen? Doktor Aisha verschafft Ihnen Erleichterung: Mit mexikanischen Kräutern aus Jamaika werden sich alle Ihre Beschwerden innerhalb von sieben Tagen in Luft auflösen.” Und dann noch die praktischen Hinweise: ,,Kontaktieren Sie Doktor Aisha unter Telefon…. Erstberatungsgebühr: 50 Rand” (4,80 Euro, Anm. d. A.).
Ich erinnerte mich an meine Begegnung mit dem Meister und löschte zufrieden meine Neuerwerbung. Besser Erleuchtung mit Birne als Übelkeit mit Wunderheiler. Zumal: Ein Mittel gegen Montage hatte der sowieso nicht im Programm.
Kommentare
Artikel von besonderem Interesse

(2010-04-30 09:28:31)
Kommentare hinzufügen
(2010-04-08 18:20:30)
Kommentare hinzufügen
(2010-03-30 11:31:45)
1 Kommentar
(2010-03-25 11:20:34)
Kommentare hinzufügen
(2010-03-15 14:50:00)
4 Kommentare(2010-02-15 18:49:06)
1 Kommentar
(2010-02-13 14:07:56)
Kommentare hinzufügen
(2010-01-27 13:04:31)
1 Kommentar
(2010-01-27 10:09:18)
1 Kommentar
(2010-01-26 22:52:51)
Kommentare hinzufügen

Jörg aus Kamen - Es gibt auch schöne Montage! Vielleicht muss man erst ein paar Jahre nicht mehr im aktiven Berufsleben stehen, um diese Erfahrung zu machen. Danke für den bildhaften Bericht. Ich habe mich köstlich amüsiert.
(2010-04-06 20:40:28)