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13. April 2010 - Südafrika - Tina Bucek

Sophie Okonedo spielt Sandra Laing, die in ,,Skin" als schwarzes Kind weißer Eltern geboren wird. Foto: Tina Bucek

Ein farbiges Mädchen senkt schuldbewusst die Augen, während ihr hellhäutiger Vater ihr erklärt, mit einem ,,Kaffer” habe sie abends nicht auszugehen, das sei unter ihrem Niveau. Es ist diese Szene, die meine südafrikanischen Freunde aus dem Kino rennen machen möchte. Eine von zu vielen, in denen der preisgekrönte Streifen ,,Skin”, der zurzeit auch in deutschen Kinos gezeigt wird, auf der Apartheidsklaviatur spielt, als sei diese nichts anderes als eine Ansammlung schwarz-weißer Plattitüden.

Kurz zum Plot, der auf einer wahren Geschichte basiert: Ein Kind wird geboren in der Hochzeit der Rassendiskriminierung in Südafrika. Am Kap regieren in den 60er Jahren die Buren, Nachfahren der ehemals eingewanderten niederländischen Kolonialherren, die in ihrem Regime systematisch die Mehrheit der südafrikanischen Ureinwohner unterdrücken. Unter den Bedingungen dieses Unrechtssystems entwickelt sich das Schicksal der Sandra Laing, als dunkelhäutiges Kind von ,,weißen” Eltern ist sie sozusagen eine Laune der Natur. Ein genetischer Sonderfall, der zwar wissenschaftlich erklärbar, ideologisch in einem System der strikten Rassentrennung aber nicht vorgesehen ist. So nimmt die Geschichte ihren Lauf, Sandra wird von ihren weißen Klassenkameraden gehänselt, findet sich im Leben der Weißen nicht zurecht, und während ihr ebenso sturer wie regimetreuer Vater verbissen um ihre offizielle Anerkennung als Weiße kämpft, hat Sandra sich bereits in den schwarzen Farmarbeiter Petrus verliebt und ist mit ihm ins Township geflüchtet.

Diese Geschichte könnte bewegend, spannend und vielschichtig sein. Ist sie aber nicht. Zum einen, weil das Drehbuch von Helen Crawley, Jessie Keyt und Hannah Kniel allzu holzschnittartig Schauplätze und Ereignisse aneinanderreiht. Zum anderen, weil der britische Regisseur Anthony Fabian es tatsächlich schafft, sämtliche Klischees zu bedienen und jegliche Zwischentöne auszusparen. Das beginnt schon mit dem Titel ,,Skin” – Haut, der angesichts des Themas platter nicht sein könnte. Und auch im weiteren Erzählverlauf: Die Realitäten von Klassifizierung und Zwangsumsiedlung, von Gewalt, Intoleranz und Misstrauen, aber auch von Nachbarschaftshilfe, Zivilcourage und Freundschaft, die Fragen, Irritationen, aber auch Bande, die trotz politisch angeordneter Segregation zwischen Menschen geknüpft worden sind, die eben zusammen leben mussten, und die oft genug andere Sorgen hatten als ihre Hautfarbe, werden von Fabian schlicht ignoriert.

Stattdessen werden Allgemeinplätze gespiegelt: Natürlich werden die schwarzen Hausangestellten in der Familie Laing vom Hausherrn (Sam Neill, dessen verkrampfter südafrikanischer Akzent nervt) wie Minderwertige behandelt, natürlich ist der benachbarte Farmersjunge jemand, der sich nur mit Hühnern und Vieh auskennt, und natürlich werden im Township Kranke ausschließlich von Schamanen geheilt. Die demütige, unterwürfige Darstellung von Sophie Okonedo (Sandra) macht es nicht besser. In ihrem Spiel ist Sandra eine Frau auf der Verliererseite, deren Charakter in seiner Facettenarmut leblos bleibt.

Worauf der Film leider nicht verzichtet: den erhobenen Zeigefinger. Gut muss gut und Böse muss böse bleiben, und wer das auch nach 140 Filmminuten noch nicht verstanden hat, der verinnerliche den weinerlichen Dialog zwischen dem sterbenden Vater Laing, der seine verstoßene Tochter vor seinem Tod um Verzeihung bitten will, und seiner verbitterten Frau. Vater Laing: ,,Bitte bring mich zu Sandra!” Mutter Laing: ,,Nein. Du hast ihr lange genug Unrecht getan. Du hast Deine Entscheidung getroffen!”

Viele meiner Freunde sind als Südafrikaner der neuen Generation strikte Verfechter von Mandelas Regenbogennation. Und gerade deswegen hat sie dieser Film geärgert. Weil er eben nicht authentisch über ein krankes System erzählt, sondern allzu politisch korrekt eine Wahrnehmung von Gut und Böse bedient, die schon Nelson Mandela in seiner Antrittsrede als Präsident eines neuen Südafrika für überholt erklärt hat. ,,Skin” reflektiert unbetritten einen nicht nur für Südafrikaner wichtigen Teil Weltgeschichte - leider weder intelligent noch unterhaltsam. Allein die Tatsache, dass ein Film die Apartheid behandelt, macht ihn noch nicht zu einem guten Film.

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