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10. Mai 2010 - Südafrika - Tina Bucek

Die Teilnehmer des ,,Cape Argus", eines der größten Radrennen Südafrikas, auf der Zielgeraden: Gemütliches Radeln ist anders. Foto: Henning van As

Vorab, nur zur Sicherheit: Ungefährlich ist es nicht, sich in Südafrika als Liebhaberin des reinst mit körpereigener Energie betriebenen Gefährtes namens Fahrrad zu bekennen. Ich will Ihnen das mal anhand einer kleinen Anekdote beschreiben: Ich,unbelehrbare Idealistin hinsichtlich der grünen Revolution, doppelte Hollandrand-Besitzerin in Deutschland (eins für den Bahnhof, eins für Chic) und als ehemals Münsteraner Studentin sowieso überzeugt, dass es nichts Schöneres gibt, als sämtliche Lebenswege auf zwei nicht motorisierten Rädern zurückzulegen, habe versucht, mir in Kapstadt ein Fahhrad zu kaufen. Die erste Frage im Fahrradladen: Welches Rennrad hätten Sie denn gerne?

Ich versuchte, dem Verkäufer klar zu machen, dass ich überhaupt kein Rennrad wolle, stattdessen ein bequemes City-Fahrrad. Beim Begriff ,,City-Fahrrad" runzelte mein Gegenüber die Stirn: ,,Wozu brauchen Sie das Rad denn?", fragte er. (Wenn Skepsis ein Gesicht hat: Hier kann man es treffen!) ,,Na, um kleine Einkäufe zu erledigen und mal ins Büro zu radeln", entgegnete ich ihm. Das Stirnrunzeln weitete sich aus zu einer wabernden Kraterlandschaft. ,,Das würde ich Ihnen nicht raten: Das ist hier sehr gefährlich." Ich nickte. Das Argument kenne ich ja schon. Gefährlich ist in Südafrika immer erstmal alles. Entweder, man wird dauernd beraubt, vergewaltigt, oder zumindest um die WM-Tickets betrogen. ,,Das lassen Sie mal meine Sorge sein", lachte ich dem Mann selbstbewusst ins seine Falten, ,,geben Sie mir einfach das günstigste City-Fahrrad, das Sie haben!"

Also, der Herr hatte kein City-Fahrrad. Stattdessen aber eine Zeitung, in der ich folgende Schlagzeile las: ,,Radfahrer von rasendem Taxi zu Tode gefahren." Ich habe dann beschlossen, die Sache von einer anderen Seite anzugehen und machte mich auf die Suche nach Gesinnungsgenossen. Nun will ich nicht alle frustrierenden Diskussionen hier wiedergeben, nur ein paar der schlagendsten Argumente: ,,Hast du hier schonmal irgendjemanden durch die Stadt radeln sehen?" Nein. ,,Gibt es hier etwas, das im entfernstesten so aussieht, als sei es ein Fahrradweg?" Nein.

Zwei Dinge haben sich dann in der Folge ereignet: Ich wurde Zeugin des ,,Cape Argus", eines der größten Radrennen Afrikas, bei dem Lance Armstrong und gefühlte zwei Millionen weitere Wahnsinnige mit ihren Rennrädern vor meinem Fenster vorbeirasten. Und ich beschloss, mehr zu Fuß zu gehen. Grüne Revolution auf zwei Rädern, das mache ich dann wieder, wenn ich Zuhause bin.

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